Geraubte Mitte.
Die "Arisierung" des jüdischen Grundeigentums im Berliner Stadtkern 1933-1945

NS-Stadtplanung

Die nationalsozialistischen Machthaber hegten ehrgeizige Pläne zum Umbau Berlins. Teilweise auf Planungen der 1920er Jahre aufbauend, sollten monumentale Achsen und Neubauten im Stadtkern errichtet werden. Anstelle eines vormals geplanten dritten Rathauses sollte nach 1933 ein Altstadtforum vor dem Alten Stadthaus entstehen. Der dafür notwendige Abbruch weiter Teile der Altstadt setzte eine Verstaatlichung der Grundstücke voraus. Östlich des ältesten Berliner Marktplatzes, des Molkenmarktes, hatte der Magistrat bereits vor 1933 den Bau eines dritten Rathauses geplant. Dafür sollten die beiden zwischen Rotem Rathaus und Altem Stadthaus gelegenen Häuserblöcke abgebrochen werden. Seit 1929 besaß die Stadt die benötigten Grundstücke, jedoch hatte die Weltwirtschaftskrise die Ausführung dieses Bauprojekts verhindert.

Anstelle des vormals geplanten dritten Rathauses sollte nach 1933 jedoch kein großes Gebäude mehr entstehen, sondern ein „Altstadtforum“ genannter Platz vor dem Alten Stadthaus. An dessen Südseite war das Dienstgebäude für den Stadtpräsidenten geplant und daran angrenzend weitere Gebäude für verschiedene Magistratsverwaltungen. An der Nordseite war ebenfalls ein kleiner Verwaltungsbau der Stadt vorgesehen und direkt nördlich des Stadthauses ein Neubau für die Städtische Feuersozietät.
Als Teil der Germania-Planungen trieb der Generalbauinspektor den Bau des Verwaltungsviertels zu beiden Seiten der Ost-Achse im Norden der Altstadt voran. Die Fotos belegen ab 1938 massive Eingriffe in die gewachsene Stadt auf der Nordseite der Kaiser-Wilhelm-Straße. Speer selbst hatte die zynische Idee, die Abrissmieter seiner Bauvorhaben und Bombengeschädigte mit kurz zuvor geräumten Judenwohnungen zu versorgen.

Mit Kriegsbeginn wurden die Bauarbeiten eingeschränkt und kamen mit der Ausrufung des „Totalen Krieges“im Juli 1943 vollständig zum Erliegen

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